06. Oktober 2026

🎧 Wagenknecht-Beobachter Timo Lehmann – viel Meinung, wenig Journalismus?

Ich habe mir diesen Podcast nun ĂŒber 30 Minuten angehört. Bei Timo Lehmann, dem „Wagenknecht-Beobachter des SPIEGEL“, war mir schon vorher klar: Hier spricht nicht nur der Journalist, sondern auch jemand mit einer ziemlich klaren politischen Meinung.

Nach ĂŒber 30 Minuten bleibt bei mir ungefĂ€hr dieses Bild hĂ€ngen:
AfD = Nazis. CDU, SPD, GrĂŒne und Linke = die demokratischen Parteien.

Und wer mit der AfD sachlich umgehen will, eine ihrer Positionen richtig findet oder eine Zusammenarbeit zumindest nicht grundsĂ€tzlich ausschließt, bewegt sich offenbar bereits außerhalb deren DemokratieverstĂ€ndnisses.

Das halte ich fĂŒr eine problematische Entwicklung.

Eine demokratisch gewĂ€hlte Partei muss mir nicht gefallen. Ich muss ihre Positionen nicht teilen. Ich kann sie fĂŒr falsch oder gefĂ€hrlich halten. Aber demokratische Legitimation und politische Zustimmung sind zwei unterschiedliche Dinge.

Dabei gilt fĂŒr mich auch: Sachliche Zusammenarbeit bei einzelnen Themen bedeutet nicht politische NĂ€he. Und eine klare politische Abgrenzung zur AfD bleibt notwendig. Es geht nicht um eine AfD-Koalition und auch nicht darum, Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus zu verharmlosen. Es geht darum, politische Aussagen und konkretes Handeln zu bewerten – und nicht nur danach, von welchem Politiker sie kommen.

Genau hier sehe ich inzwischen einen gefÀhrlichen Kipppunkt.

Wenn immer mehr Menschen das GefĂŒhl bekommen, dass nicht mehr ĂŒber ihre Argumente diskutiert wird, sondern darĂŒber, wer sie sagt, entsteht Frust. Dann geht es irgendwann nicht mehr um die Sache, sondern nur noch darum, wer etwas sagt.

Dann könnte das Ergebnis genau das Gegenteil dessen sein, was man erreichen möchte: Noch mehr Menschen wenden sich von den etablierten Parteien ab. Entweder wĂ€chst dadurch die AfD weiter – durch noch mehr frustrierte WĂ€hler. Oder CDU und SPD verlieren so stark, dass sie selbst an der FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde scheitern. Oder wir erleben einen weiteren Vertrauensverlust in die Demokratie, wie es teilweise auch in den USA zu beobachten ist.

Und inzwischen habe ich manchmal tatsĂ€chlich den Eindruck: Man macht sich schon zum „Nazi“, zum UnwĂ€hlbaren oder zumindest zum politischen Außenseiter, wenn man lediglich eine Aussage eines Politikers richtig findet.

Nicht weil die Aussage falsch wÀre. Sondern weil sie vom falschen Politiker kommt.

Und deshalb frage ich mich am Ende: Wenn das BSW verschwindet – was glauben die beiden Podcaster, ist dann gewonnen?

Ist damit die Demokratie gerettet? Verschwindet dadurch die AfD? Wird der politische Frust kleiner? Wird die gesellschaftliche Spaltung geringer?

Oder entsteht dadurch lediglich ein weiteres politisches Vakuum, das dann von anderen gefĂŒllt wird?

Vielleicht sollte man darĂŒber einmal reden, warum Menschen Parteien wie AfD oder BSW wĂ€hlen oder da Mitglied sind, statt ausschließlich darĂŒber, wie man diese Parteien wieder loswird. Denn eine politische Alternative verschwindet nicht dadurch, dass man sie fĂŒr unwĂ€hlbar erklĂ€rt. Und der Frust der WĂ€hler verschwindet auch nicht dadurch, dass man ihre Motive moralisch bewertet.

https://open.spotify.com/episode/5QvJ4CzwpMX9UdqZEdU5Yl?si=MJHUrnebRDuQ0eRhx7ek7g

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